Wer ist Anita Ruth Faber?
Anita Ruth Faber wurde am 02. Juli 1927 in Siegen geboren und wuchs als Tochter einer seit drei Generationen bestehenden Metzgerfamilie mit ihren Eltern, Clara und Gustav Faber, in Netphen auf.
Ihr Vater erhielt im Ersten Weltkrieg einige Auszeichnungen. Er lebte und arbeitete danach in Netphen und übernahm die Metzgerei und den Viehhandel seiner Schwiegereltern.
Anita Ruth besuchte von 1933 an die katholische Volksschule Niedernetphen. Außer ihr gab es keine anderen Kinder jüdischer Religion im katholisch geprägten Niedernetphen.
1936 wurde die Metzgerei ihrer Eltern nach einer Hetzkampagne geschlossen und Haus und Grundstücke mussten weit unter Wert verkauft werden.
In der Reichspogromnacht[1] wurde Gustav Faber verhaftet und in das Konzentrationslager in Sachsenhausen gebracht. Von dort wurde er am 22. Dezember 1938 wieder entlassen. Als Folge der Folter erfror sein rechter Fuß und sein Bein musste amputiert werden.
Mitte November 1938 musste Anita Ruth im sechsten Schuljahr ohne Abschluss die Schule verlassen. Sie beendete im israelitischen Kinderheim in Köln ihre Schulausbildung. Von Köln aus fuhr Anita Ruth in den Ferien oft nach Hause. Zu Hause musste sie feststellen, dass sich ihre Freundinnen auf Druck der Eltern immer mehr von ihr abwendeten.
Am 27. Juli 1942 wurde die gesamte Familie Faber von Siegen über Dortmund ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Von dort erfolgte am 29. Januar 1943 die Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurde die Familie mit ihrer 15-jährigen Tochter Anita Ruth vermutlich sofort ermordet.
[1] Reichspogromnacht: bezeichnet die Nacht vom 09. auf den 10. November 1938, in der organisierte Schlägertrupps der Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Synagogen in ganz Deutschland anzündeten und ausraubten.